25.03.2014

Zusammenfassung des MOSECON Luncheons #04: Ist Migration wirklich ein Sicherheitsthema?

Für viele Europäer, vor allem Briten und Deutsche, begann das Jahr 2014 mit der Angst vor einer „Migrantenflut“ aus Bulgarien und Rumänien, da die Beschränkungen dieser Länder aufgehoben wurden. Gleichzeitig lassen sich starke nationalistische und anti-EU politische Tendenzen erkennen, u.a. durch den wachsenden Wahlerfolg von Parteien wie Frankreichs „Front National” oder Deutschlands “Alternative für Deutschland”.

Mit diesem Hintergrund veranstaltete die MOSECON GmbH am 19. März ihren vierten Luncheon zum Thema „Migration, Integration und (Un-)Sicherheit“. Das Redner-Panel dieser Veranstaltung setzte sich zusammen aus Dr. Oliver Koppel (Institut für Wirtschaft Köln), Dr. Etah Ewane (Wikistrat Inc.) und Axel Benjamin Herzberg (Herzberg Legal), die sowohl die wirtschaftlichen und politischen Aspekte als auch die juristischen Facetten dieses brisanten Themas behandelten und Gästen sowie zukünftigen Zuschauern spezifische Informationen und Einsichten zu Migration und Sicherheit lieferten.

Dr. Koppel gab mit seinem Vortrag die Richtung vor und sprach von der „sonnigen Seite von Migration“, indem er den Fokus auf den wirtschaftlichen Beitrag osteuropäischer Wanderarbeiter, besonders aus Rumänien und Bulgarien, setzte. Einer der interessantesten Fakten dabei war, dass hochqualifizierte Migranten aus diesen Regionen zu den besten Beitragszahlern des deutschen Sozialversicherungs-Systems und Wohlfahrtsstaates gehören. Zudem sind die meisten Migranten jung und stellen daher selten eine zusätzliche Last für das System dar, anders als die ältere – und damit deutlich teurere – deutsche Bevölkerung. Auch wenn Migration ebenfalls eine „dunklere Seite“ hat so bleibt doch der Tatbestand, dass Migranten, insbesondere hochqualifizierte, ein Land bereichern können, den demographischen Rückgang stabilisieren helfen und die wachsenden Sozialversicherungskosten des Staates mindern.

Dr. Etah Ewane, der selbst ursprünglich aus Kamerun einwanderte und sich nach dem Abschluss seiner Doktorarbeit an der Universität Freiburg in Deutschland niederließ, beschrieb die Beziehung zwischen Sicherheit und Migration als rein politisch. Daher diskutierte er die Rolle von Migration im Bezug zum deutschen politischen Diskurs und wies darauf hin, dass Migranten oft als Sündenböcke für eine unzureichende politische Leistung herhalten. Dr. Ewane erläuterte auch die Notwendigkeit, warum dieser Diskurs, dass Migranten Unruhestifter, Diebe oder Parasiten seien, sich dahingehend ändern muss, Migranten neutral zu betrachten. Migration ist keine Einbahnstraße und Migranten müssen auch ihren Teil zur Diskussion beisteuern indem sie ihren Landsmännern das wahre Leben in Europa enthüllen. Ewane beschrieb, dass Afrikaner „Europa als Paradies“ ansehen und zwischen 5.000 und 10.000 $ ausgeben, um nach Europa zu kommen, nur um dann das wahre Europa kennenzulernen oder noch schlimmer, auf dem dorthin Weg zu sterben. Die Auswirkungen betreffen nicht nur den Migranten selbst sondern auch all jene, die zu seinem „Traum“ beigesteuert haben. Deshalb müssen auch die übrigen Regierungen Lösungen finden und nicht nur davon ausgehen, dass Migration das Problem der Anderen ist.

Der Vortrag des Juristen Axel Benjamin Herzbergs fokussierte sich auf die rechtlichen Aspekte von Migration in Deutschland sowie auf die Geschichte von Arbeitskräftewanderung nach dem Zweiten Weltkrieg. Einer der wichtigsten Punkte seiner Präsentation war, dass Deutschland sich in einer Zeitspanne von vier Jahren von einem Land das nur widerwillig Migranten aufnimmt zu einem gewandelt hat das qualifizierte Arbeitskräfte herzlich willkommen heißt. Eine der größten Herausforderungen ist seiner Ansicht nach nicht die (befristete) Aufenthaltserlaubnis sondern die Einwanderung die Menschen dazu bewegt, sich langfristig im Land niederzulassen statt nur für einen begrenzten Zeitraum. Herr Herzberg fügte hinzu, dass die Richtlinien und Einwanderungsgesetze an die aktuellen Realitäten angepasst werden müssen, falls notwendig auch mit Einschränkungen durch Quoten.

Auch wenn die Vorträge und anschließende Diskussion die rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Aspekte von Migration und Sicherheit abdeckten, so waren sich doch alle Anwesenden einig, dass dieses Thema hochkomplex ist und ebenso doppelte Staatsbürgerschaft wie Waffenhandel beinhaltet. Es ist ein Thema das große Akzeptanz verlangt, da wir alle verschieden bleiben, auch wenn wir integriert sind. Um einen Gast zu zitieren: „Immigration ist wie Gulasch: Jede Zutat bleibt (anders als im Schmelztiegel) eindeutig erkennbar, trotzdem ergeben sie zusammen ein schmackhaftes Essen.“

Den Trailer zum MOSECON Luncheon #04 „Migration, Integration und (Un-)Sicherheit“ sehen Sie hier registrieren Sie sich hier (und schließen Sie den Bezahlvorgang ab), um das Video zum kompletten Luncheon zu sehen.